Sabine Steinhage
Sabine Steinhage

Die Kinderseite: Neue Märchen, Gute-Nacht-Geschichten und viel mehr

Erzähl mir eine Geschichte!

 

Diesen Satz hat wohl jeder mal gehört, wenn er zu den glücklichen Menschen gehört, die Kinder in ihrem Umfeld haben.

Lasst uns daher gemeinsam das Tor zu einer magisch belebten Welt öffnen, die für unsere Jüngsten völlig normal ist und von der wir Erwachsene zu gerne träumen.

 

Und gerade in der Winterzeit, wenn es schon früh dunkel wird, ist es besonders gemütlich, wenn wir gemeinsam diesen Geschichten lauschen und unsere Fantasie spielen lassen.

*************

Witz des Monats:

Ich war heute nicht pünktlich in der Schule weil die Adventskalendertür klemmmte.

*************

Elf mit Rentier in Aquarell Elf mit Rentier

 

 

Wisst ihr, dass unsere einheimischen Rehe mit den Rentieren des Nordens näher verwandt sind, als die Rothirsche mit ihren grossen Geweihen?

Deshalb wird es Zeit, dass der Weihnachtsmann sich auch mal auf die Hilfe eines Rehs verlassen kann.

 

 

Rudolfine

Um den Harzer Brocken, Deutschlands höchstem Berg, gibt es noch sogenannte Urwälder, wo Menschen nur als Gast vorbeischauen. Dort wurde auf einer hellen Lichtung ein junges Rehkitz geboren. Es war deutlich kleiner und zarter als ein Hirschkalb. Selbst für ein Reh waren seine Hufe zierlich und man hatte den Eindruck, es würde wie eine zauberhafte Elfe über die Blumenwiese tanzen. Deshalb wurde es von seiner Mutter Elfie genant.

Eines Morgens, als Elfie an den schmackhaften Brombeerblättern knabberte, betrat eine Herde Rothirsche die Lichtung. Staunend beobachtete Elfie die großen Verwandten mit den Geweihen auf dem Kopf.
»Mama, werde ich auch mal so groß«, fragte sie und ihr Herz schlug heftig vor Aufregung.
»Nein, mein Schatz! Wir sind Rehe und bei uns wächst nur den Böcken ein Geweih!« Die Mutter schüttelte ihren Kopf. Dann leckte sie besorgt über Elfis Nase. »Sag mal, hast du dein Mäulchen an den Dornen verletzt? Deine Nase ist ganz rot!«
Elfie sprang zur Seite. »Nein, alles es ist gut!« Nur einmal hatte sie die spitzen Dornen an den Brombeerranken übersehen. Nun war sie gewarnt.
Aber ein paar Tage später kam ihre Mutter erneut zu ihr gesprungen und schnaubte über ihr Gesicht.
»Elfie, du musst beim Fressen besser aufpassen, deine Nase ist leuchtend rot!«
»Aber Mama, meiner Nase geht es gut! Sie tut nicht weh!«
»Und warum ist sie dann so rot? Hast du Fieber?« Eine Rehmutter ist genauso besorgt um ihr Kitz, wie eine Menschenmutter um ihr Kind. Also untersuchte sie Elfie erst gründlich, bevor diese wieder auf der Wiese spielen durfte.
 Je älter Elfie wurde, desto öfter begann ihre Nase rot zu leuchten. Immer wenn sie etwas Neues entdeckte oder aufgeregt war, wechselte diese die Farbe.

 

Im Herbst schlossen sich die Rehe des Waldes wieder zu kleinen Gruppen zusammen und die Kitze spielten miteinander. Voller Eifer war Elfie dabei.
»He, bist du krank?« Ein einjähriges Böckchen beäugte sie misstrauisch. „Deine Nase ist ganz rot!“
Elfie seufzte: »Nein, das ist normal!«
»Ne, ne! Das ist nicht normal!« Er drehte seinen Kopf zu den erwachsenen Rehen. »Mama, die Kleine hier hat die Grippe oder so was!«
Alle starrten Elfie an.
»Oh, das sieht wirklich nicht gut aus!«, meinte ein junges Reh mitleidig. »Schmerzt die Nase sehr?«
»Meine Tochter ist völlig gesund!«, erklärte Elfies Mutter hastig »Nur wenn sie sich aufregt, beginnt ihre Nase zu leuchten!«
»Echt jetzt?« Der junge Bock begann zu lachen. »Das ist ja witzig!«
»Nein, ist es nicht!«, widersprach Elfie.
»Doch! Du siehst aus, wie dieses Rentier Rudolph, das den Schlitten vom Weihnachtsmann zieht!«
»Nein!«
»Doch!«
»Nein!«
»Doch, du bist Rudolfine!« Er schnaubte vor Lachen. Auch andere Rehe flüsterten diesen Namen und sahen Elfie dabei eigenartig an. 
Sie fühlte sich ganz schlecht dabei, weil sie dachte, alle würden sich über sie lustig machen. Tränen stiegen in ihre Augen und sie trumpfte mit den Vorderläufen auf. Doch dadurch leuchtete ihre Nase noch mehr. Schließlich rannte sie davon und versteckte sich. 
Erst am Abend fand ihre Mutter sie und versuchte zu trösten:
»Eigentlich solltest du stolz auf diesen Spitznamen sein.«, schnaubte sie. »Denn Rudolph hat damals Weihnachten gerettet!«
»Wirklich?«, schniefte Elfie.
»Nun, es ist nur eine Geschichte, aber wer weiß, ob sie nicht auch wahr ist!«
»Erzählst du sie mir?«, bat Elfie.
»Bei den Menschen glaubt man daran, dass am Christabend der Weihnachtsmann jedem artigen Kind auf der Welt ein Geschenk bringt.«
»So wie Eicheln und Kastanien?«
Elfies Mutter schüttelte belustigt den Kopf. »Oh, nein! Menschenkinder freuen sich über Spielsachen. Deshalb braucht der Weihnachtsmann auch einen großen Sack, um alle Geschenke darin zu transportieren. Der ist viel zu schwer, um ihn alleine zu tragen. Aus diesem Grund reist der Weihnachtsmann mit einem großen Schlitten durch die Luft, der von acht Rentieren gezogen wird!«
»Diese Rehe können fliegen?«, staunte Elfie.
»Nein, das sind keine Rehe, sondern Rentiere mit mächtigen Geweihen. Sie sind genauso stark, wie die Hirsche hier im Wald, aber sie leben hoch im Norden und fressen im Winter Flechten statt Heu!«
»Igitt!« Elfie rümpfte die Nase. »Und wer ist Rudolph?«
»Nun, er soll eine so rot leuchtende Nase gehabt haben, dass sie bei Nebel den Weg beleuchten kann. Und in einer Christnacht war der Nebel mal so dicht, dass alle normalen Rentiere nichts sehen konnten. Ohne Rudolph hätte der Weihnachtsmann die Kinder nicht besuchen und ihnen auch keine Geschenke bringen können. Das wäre ein trauriges Weihnachtsfest geworden!«
»Meine rote Nase ist aber zu nichts nütze! Wem soll ich denn den Weg zeigen?«, fragte sich Elfie traurig.
»Na, mir zum Beispiel«, lachte ihre Mutter. »Selbst wenn es dunkel ist, kannst du mir immer noch die besten Futterplätze zeigen!« 
Natürlich sagte sie das nur, um Elfie aufzumuntern, denn Abends schliefen sie zusammengekuschelt unter einer Bergfichte. Aber so war Elfie nicht mehr traurig und als der erste Schnee fiel, schaute sie öfter zum Himmel hinauf, ob sie nicht den Schlitten vom Weihnachtsmann entdecken konnte.


Eines Nachts war es plötzlich deutlich wärmer als an den Tagen vorher. Elfies dichtes Winterfell juckte und sie konnte nicht schlafen. Plötzlich hörte sie eine Stimme rufen.
»Hallo?«
Elfie reckte sich und lugte vorsichtig durch die dichten  Zweige, um ihre Mutter nicht zu wecken. In der warmen Luft hatte sich dichter Nebel gebildet, der über der vereisten Schneefläche lag. Elfie konnte kaum etwas erkennen. Aber lag hinten an der Baumkante nicht ein roter Schimmer? Doch das schwache Leuchten verschwand schnell wieder.
»Rudolfine?«
Erschrocken zuckte sie zurück, doch sofort begann ihre Nase verräterisch zu glühen. Wer kannte diesen Namen?
»Keine Angst!“ Der Schnee knirschte unter schweren Stiefeln, als sich ein Fremder ihrem Versteck näherte. 
Seltsamerweise hatte Elfie wirklich keine Angst vor dem alten Mann, der in einen roten Mantel gehüllt war.
»Ich bin der Weihnachtsmann!«
Unmöglich! Ihre Mama hatte doch gesagt, dass es nur eine Geschichte war. Sie schüttelte die letzten Schneereste aus ihrem Fell.
»Lassen sie meine Tochter in Ruhe!«, blökte Elfies Mutter, die nun auch aufgewacht war, und stellte sich schützend vor ihr Kitz.
»Entschuldigung«, seufzte der Mann. »Ich brauche Rudolfines Hilfe!«
»Meine Tochter heißt Elfie!«
Der Mann seufzte noch stärker. »Ja, aber alle im Wald nennen sie Rudolfine, wegen ihrer leuchtenden Nase!«
»Und woher wissen Sie das?« Elfies Mutter blickte ihn gleichzeitig streng und misstrauisch an.
»Weil er der Weihnachtsmann ist und die Namen aller Kinder, auch Tierkinder, kennt!« blökte eine raue Stimme. Gleichzeitig tauchten aus dem Nebel plötzlich mächtige Geweihe auf. Dahinter folgten die kräftigen Körper von acht Tieren, die vor einen glänzenden Schlitten gespannt waren. Allerdings hinterließen die Hufe keine Spuren im Schnee. Sie schienen über dem Boden zu schweben.
»Ich habe dir gleich gesagt, es wäre besser, wenn ich zuerst mit der Kleinen und ihrer Mutter spreche!« Das Rentier senkte seinen Kopf und ließ seinen warmen Atem über Elfies Kopf streichen. »Ich bin Dasher, die erste hier in der Reihe.« Das Rentier blickte nun Elfies Mutter direkt an. »Und keine Sorge! Ich habe selbst ein Kälbchen im Stall zuhause!«
»Du bist ein weibliches Rentier«, staunte Elfie.
»Ja, wir sind eine reine Damentruppe!« , erklärte das Rentier neben Dasher. »So kräftige Geweihe tragen nur Weibchen im Winter. Die anderen Rentiere hinter mir sind Dancer, Prancer, Vixen, Cupid, Donner, Blitz und ich bin Comet! Der Pechvogel im Schlitten ist Rudolph. Er kann nicht mehr laufen!«
Erst jetzt bemerkte Elfie die dicke Decke im Schlitten, die sich bewegte. Ein Rentierkopf lugte kurz hervor und sofort legte sich ein rotes Licht über den Schlitten. Seine Nase leuchtete genauso stark wie Elfies Nase, war nur deutlich größer.
»Rudolf fliegt nur bei Nebel mit dem Schlitten mit. Deshalb war er heute so aufgeregt und hat sich beim Sinkflug an der Felskante verschätzt und den Vorderhuf verletzt.«
»Es tut mir ja so Leid!« Beschämt versteckte sich Rudolph wieder unter der Decke.
»Nun kann er den Schlitten nicht mehr anführen und uns den Weg leuchten!«, erklärte der Weihnachtsmann betrübt.
»Deshalb sind wir hier!«, sagte Comet. »Rudolfine muss einspringen! Das ist unsere einzige Hoffnung!«
»Ich?« Elfie reckte den Hals. Sie sollte Teil dieser stolzen Gruppe Rentiere sein und sie sogar anführen? Gab es eine größere Ehre?
Dann fiel ihr etwas ein. »Aber ich kann nicht fliegen!« 
»Doch, das wirst du! Denn das ist der Zauber der Weihnacht. Den Rest des Jahres laufen wir auch normal auf dem Tundraboden herum.«, erklärte Dasher.
»Ach, Mama! Das wäre toll! Darf ich?« Elfie war so aufgeregt, dass ihre Nase so stark leuchtete wie noch nie und fast die ganze Lichtung erhellte.
»Wir passen gut auf die Kleine auf!«, versprach Dasher und die anderen Rentiere nickten zustimmend mit ihren Köpfen, so dass die Geweihe wippten.
»Und morgen früh ist sie wieder zu Hause.«, erklärte der Weihnachtsmann.
Da war Elfies Mutter nicht mehr besorgt und gab ihr Okay.

 

So kam es, dass Elfie, ein junges Rehkitz, in dieser Nacht den Schlitten vom Weihnachtsmann anführte und den Spitznamen Rudolfine für immer mit Stolz trug.

Rudolfine, eine Weihnachtsgeschichte Rudolfine

Hallo, Freunde!

Hier kommen jedes Jahr neue Geschichten dazu. Die Liste ist inzwischen schon recht lang. Wenn ihr daher die passenden Downloads nicht mehr findet, so sind sie nicht für immer verloren.

Fragt einfach nach! 

Viel Spass beim Vorlesen und selbst Lesen!

Die kleine Schnecke
Eine kleine Schnecke will hoch hinaus, so hoch wie die Vögel fliegen ... (Text in Reimform)
tmp_29015-Die kleine Schnecke1346389112.[...]
Microsoft Word-Dokument [154.3 KB]
Geschichte zum Download: Apulsa - Zahnwichtel
Was geschieht, wenn Riesen Zahnschmerzen haben?
Richtig: Sie haben Riesenzahnschmerzen!
Zahnwichtel.doc
Microsoft Word-Dokument [987.5 KB]
Geschichte zum Download: Frühlingsboten
Noch ist es draussen kalt, doch die Natur erwacht langsam aus dem Winterschlaf
Frühlingsboten.doc
Microsoft Word-Dokument [137.0 KB]
Kinderrätsel Spass Spassrätsel

Kleine Einführung für alle, die bisher noch nie von dem Land Apulsa und seinen Bewohnern gehört haben:

 

Verborgen zwischen Himmel und Erde, in Zeit und Raum liegt Apulsa. Das Land, in dem die Magie seit Urzeiten tagtäglich neu geboren wird und dessen Bewohner wir in der Regel nur aus Märchen und Sagen kennen.

Zwischen Apulsa und unserer Welt gibt es geheime Portale, Durchgänge, die sorgfältig von Magiern oder Hexen überwacht werden. Das Geheimnis der Magie wird streng gehütet, ebenso wie unsere Welt vor den üblen Dingen, die daraus entstehen können, bewahrt wird.

Auch Trulla Silberhaut war vom Magischen Rat mit dieser ehrenvollen Arbeit für drei Jahre beauftragt worden. Unglücklicherweise geriet kurz vor ihrem Amtsantritt ein alter Zauber außer Kontrolle und Trulla sieht nun wie ein kleines Mädchen aus. Das allein wäre nicht schlimm, doch ihre magischen Fähigkeiten passten sich ihrer jugendlichen Erscheinung an. Die Erfahrung und Übung der letzten hundert Jahre waren wie ausgelöscht.

Trulla wußte nie, ob ein Zauber so wirkte, wie sie es wollte oder nicht. Doch auf die Wächterin eines Portals muss sich Apulsa verlassen können. Deshalb wird sie nun von ihrem Onkel Kartäuser begleitet, der an dem Unglück Schuld gewesen war.

Allerdings ist Onkel Kartäuser eigentlich ein Kater, der nur in Apulsa menschliche Gestalt annehmen kann. Somit ist er Trulla nicht unbedingt eine große Hilfe.

Zum Glück freundete sie sich rasch mit Henrike und Egbert, den Enkelkindern der Nachbarin Frieda Paulsen an.

Doch das ist eine andere Geschichte ...

 

 

Alte Geschichten landen im Archiv. Doch sie gehen nicht verloren.

Fragt einfach per mail nach. Ich sende sie Euren Eltern dann zu.

Druckversion | Sitemap
© Sabine Steinhage, Hamburg 2014